Vor einem Jahr protestierte der Berliner Tierschutzverein gemeinsam mit anderen Tierschützer*innen mit einer Unterschriftenkampagne gegen einen geplanten Tierversuch an Nachtigallen an der Freien Universität Berlin (FU). Mehr als 125.000 Unterschriften wurden dem Büro des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) übergeben. Die Leiterin des geplanten Tierversuchs will den unter Naturschutz stehenden Nachtigallen die Köpfe aufbohren und Sonden implantieren, um ihre Gehirnströme zu messen. Sie begründete den Versuch unter anderem damit, dass sie Aufschlüsse über Autismus beim Menschen gewinnen wollte. Nicht nur Tierschützer, auch Wissenschaftler zweifelten die Sinnhaftigkeit dieser Begründung an.

Und offenbar war die Autismusforschung nur ein Vorwand, um den grausamen Tierversuch zu rechtfertigen. Inzwischen ist die betreffende Forscherin aus bisher unbekannten Gründen mitsamt ihrer Nachtigallen von der FU in Berlin ans Max-Planck-Institut für Ornithologie nach Oberbayern umgezogen, um dort ihre Tier-Experimente durchzuführen. Eine Parlamentarische Anfrage der Bayerischen Grünen zu den Hintergründen der geplanten Tierversuche an Nachtigallen ergab u. a. Folgendes: Das Max-Planck-Institut kommt zu der Einschätzung, dass ein Beitrag zum besseren Verständnis in Richtung Autismus „wünschenswert“ sei. Als primäres Forschungsziel wird „Grundlagenforschung“ genannt, genauer: „Das Ziel ist es zu verstehen, wie neuronale Schaltkreise im Gehirn vokale Kommunikation ermöglichen.“ Dieser invasive und quälerische Tierversuch dient also lediglich der „Neugier-Forschung“. Ein unmittelbarer Beitrag zur Erforschung menschlicher Erkrankungen wird nicht erwartet. Die ursprüngliche Antragsbegründung in Berlin – „Autismusforschung“ – war demzufolge unseriös.

In der Antwort auf die Parlamentarische Anfrage wird erneut versucht, die mit dem Tierversuch verbundenen Belastungen für die Vögel zu verschleiern. Die Hirnoperation ist für die Nachtigallen laut Versuchsantrag mit mittelschweren Belastungen verbunden. Darunter sind Eingriffe und Handlungen  zu verstehen, die entweder langanhaltende und leichte oder kurzanhaltende und mittelschwere Belastungen bedeuten. Als Belastung gelten laut Gesetz: Schmerzen, Leiden oder Schäden, schwere Angst oder erhebliche Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens.

Hier wurde und wird eindeutig getrickst, um ein überflüssiges Forschungsvorhaben zu beschönigen.

Der Tierschutzverein für Berlin und der Deutsche Tierschutzbund Landesverband Bayern fordern daher den Bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gemeinsam dazu auf, diesen überflüssigen und grausamen Tierversuch an geschützten Singvögeln zu stoppen.  Die Unterschriftenkampagne gegen dieses Forschungsvorhaben wird weitergeführt werden.