Urania 24. April 2019 - Forschung ohne Tierversuche - werden wirklich alle Möglichkeiten genutzt?

Eine Veranstaltung des TVB und des Deutschen Tierschutzbundes

An den Infoständen im Foyer wurden Unterschriften gegen Tierversuche gesammelt, Neues diskutiert oder einfach nur geplaudert. Dieser Ort dient dem Kennenlernen und Austauschen in lockerer Atmosphäre und wird immer wieder gern angenommen.

 

Auf dem Podium:

Brigitte Jenner – Mitglied im Vorstand des TVB, berichtete, dass heute genau vor 40 Jahren dieser Tag von der englischen Tierschutzorganisation Anti-Vivisection Society ins Leben gerufen wurde. Ihr Anliegen ist es jetzt bereits seit acht Jahren, nicht immer am 24. April mit der Forderung, Tierversuche abzuschaffen auf die Straße zugehen, sondern hier in der Urania der Öffentlichkeit durch Wissenschaftler zu beweisen, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, dieses Ziel auch zu erreichen.

Thomas Schröder – Präsident des Deutschen Tierschutzbundes –– wies deutlich darauf hin, dass immer noch zahlreiche Wissenschaftler die Augen verschließen und an Tierversuchen als Forschungsmethode festhalten. Die Zahlen von jährlich fast 3 Millionen Versuchstieren in Deutschland sind alarmierend. Ein Tabu wurde nach Angaben der neuen Statistik auch gebrochen – erstmalig wurden Genversuche an Affen durchgeführt. Das ist nicht hinzunehmen! Ein Widerspruch – so Thomas Schröder – weil nach Aussagen der Bundespolitiker aller Parteien, Tierversuche auf ein unerlässliches Maß beschränkt werden müssen.

Prof. Dr. Florian Steger – Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin und Vorsitzender der Ethikkommission der Universität Ulm – berichtete über Versuche an Schweinen, Ziegen und Primaten, bei denen den narkotisierten  Tieren starke Spreng- Schuss und Stichwunden zugefügt werden. Ob die Tiere wirklich ausreichend narkotisiert sind, kann nicht abschließend belegt werden. Diese Versuche dienen der Ausbildung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal aus dem zivilen und militärischen Bereich im Live-Tissue-Training (LTT), welche in Notfallsituationen schwere Verletzungen beim Menschen behandeln müssen. Diese immer noch häufig angewandte Praxis wirft erhebliche ethische Bedenken auf, weil es inzwischen immer bessere und ausgereiftere Ersatzmethoden auf Simulationsbasis gibt.

Dipl.-Biol. Kristina Wagner – Abteilungsleiterin Alternativmethoden zu Tierversuchen an der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes stellte die Situation an Universitäten oder weiteren speziellen Fortbildungskursen vor, wo es immer noch üblich ist, an Tieren auszubilden, obwohl es sehr viele wertvolle Lehrmethoden gibt. Drei Prozent aller in Deutschland durchgeführten Tierversuche finden in der Lehre statt –  2017 waren es  55.226 Tiere. Frau Wagner erläuterte zahlreiche Ersatzmethoden, u.a. Onlinesoftware, hier können sich die Lernenden in menschliches Gewebe und Organe hineinzoomen.  Durch die RealSpine, können Operationen an Lebendwirbelsäulen äußert realistisch, sogar mit Blutungen simuliert werden. Sie wies darauf hin, dass es viele auf Simulationsbasis existierende Ersatzmethoden gibt.

 

 

 

 

Prof. Dr. med. Horst Spielmann – Freie Universität Berlin, Institut für Pharmazie, Pharmakologie und Toxikologie – berichtete, dass die amerikanische Arzneimittelfirma Vanda sich erstmalig aus tierschutz- und wissenschaftlichen Gründen geweigert hatte, gesetzlich vorgeschriebene Langzeitversuche an Hunden durchzuführen, um die Zulassung eines neuen Medikamentes durch die US Arzneimittelbehörde FDA zu erhalten.  Nach den Erkenntnissen der Arzneimittelfirma bringen diese verlängerten Hundeversuche keine weiteren signifikanten Erkenntnisse und sind somit nicht gerechtfertigt. Hier scheint eine gerichtliche Klärung erforderlich.

Die Referenten sowie weitere Experten aus Wissenschaft und Politik standen im Anschluss der Präsentationen für Fragen und Diskussion dem Publikum zur Verfügung. Dieses wurde wie immer sehr gut angenommen.

Zum Vormerken:  

Am 24. April 2020 werden wir wieder mit neuen Forschern und interessanten Podiumsgästen in der Urania beweisen, dass Tierversuche abgeschafft werden können.

Brigitte Jenner

Urania 24. April 2018 - Forschung der Zukunft – Sind Tierversuche noch zeitgemäß?

Zum siebten Mal fand anlässlich des Internationalen Tags des Versuchstieres am 24. April 2018 unsere Veranstaltung zum Thema „Forschung Ja – Tierversuche Nein!“ statt – mit immer wieder neuen Erkenntnissen der Wissenschaftler, die ihre faszinierenden Ergebnisse ihrer tierversuchsfreien Forschung präsentieren, und mit Politikern, die dazu Stellung nehmen sollen. Nach Begrüßung der Teilnehmer und insbesondere der anwesenden Politiker, Herrn Dr. Efler (Linke) und Dr. Taschner (Grüne) durch Moderator Volker Wieprecht (Radioeins) wurden die Organisatoren der Veranstaltung – TVB-Vorstandsmitglied Brigitte Jenner, Frank Meuser, Leiter des Hauptstadtbüros des Deutschen Tierschutzbunds und Dr. Ingolf Ebel vom Programmmanegement der Urania – zu einem kurzen Interview gebeten.

Prof. Dr. med. Stefan Hippenstiel: Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie – Charité – Universitätsmedizin Berlin
Er war der erste Gast auf dem Podium und stellte ein mit dem Tierschutzforschungspreis ausgezeichnetes menschliches Lungenkulturmodell vor, mit dem Lungenentzündungen erforscht werden sollen. Langfristig sollen aus den Untersuchungen neue Therapieansätze entstehen. Lungenentzündungen wurden bereits 400 Jahre v. Chr. beschrieben und diese Krankheit ist heute noch weltweit die dritthäufigste Todesursache. Eine erschreckende Statistik – alle 15 Sekunden stirbt daran ein Kind im Alter bis fünf Jahren. Seit 70 Jahren liegt trotz intensiver Forschung die Sterberate in Deutschland bei 13 Prozent.

Für Prof. Hippenstiel stellte sich die Frage: Nutzen wir die richtigen Forschungsmodelle und was übersehen wir? Verschiedene Tierarten bekommen Lungenentzündung, auch die Maus – aber eben durch andere Erreger als der Mensch. Sie aber ist das meist eingesetzte Forschungstier. Mäuse werden dafür krank gemacht. Von 10.000 getesteten Substanzen kommt nur eine in die klinische Anwendung. Diese Forschung dauert sehr lange, ist teuer und aufwendig – und hat zu wenig Erfolg.

Prof. Hippenstiel forscht an einem menschlichen Lungenmodell. Die Lungen aus Operationen erhält er von verschiedenen Berliner Kliniken. Er zeigte in einer faszinierenden Präsentation, wie Influenza-Viren die Lunge infizieren, wie sie in dem dreidimensionalen Gewebemodell Gewebe zerstören und die menschlichen Zellen absterben. Mit dieser Erkenntnis ist die Forschung einen großen Schritt vorangekommen.
Der Wissenschaftler machte sehr deutlich, dass hier nur eine Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern und Firmen zu einem guten Ergebnis führen kann. Gefordert sind Biotechnologie (z.B. Human on a Chip), kleine industrielle Unternehmen, die lokale Big Pharma in enger Zusammenarbeit mit den Universitäten.

Es ist gut und zielführend, dass im Dezember 2017 das Zentrum Charité 3R – replace, reduce, refine, gegründet wurde. Das kann aber auch nicht allein arbeiten, sondern ist auf die Unterstützung des Graduiertenkolleg BB3R angewiesen, das Studenten und Doktoranten an Alternativen ausbildet. Leider ist durch die nun ausgelaufene Förderung die Zukunft des BB3R ungeklärt, die Politik ist gefordert.

Prof. Hippenstiel bedauerte sehr, dass die Politik High-Tech-Alternativmethoden noch immer nicht richtig einschätzt. Wenn hier in eine Gesundheitsstadt Berlin investiert würde, wäre das ein Schritt weit über den Tierschutz hinaus. Es entstünden z.B. neue Arbeitsplätze, Patente, Publikationen – kleine Unternehmen würden gefördert. Hierdurch würden interessante positive ökonomische Aspekte für Berlin entstehen, die der Stadt Geld zuführen und Berlin wirtschaftlich und wissenschaftlich interessant machen.

PD Dr. Johann S. Ach: Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Bioethik der Universität Münster
2017 hatte Ach gemeinsam mit dem Uni-Team ein ethisches Leitbild zum Umgang mit Versuchstieren erarbeitet. Er berichtete, dass hier eine besonders ethische Verantwortung von jedem einzelnen Forscher anerkannt wird. Das bezieht sich auch auf den Umgang mit den Tieren vor und nach den Versuchen. Die Uni verpflichtet sich, Kommunikation und Transparenz zu fördern und durchzuführen. So sollen nach Anfrage auch die Tierställe besichtigt werden können.
Die Nutzung empfindungsfähiger Tieren in der Forschung und Lehre stellt eine besondere ethische Herausforderung dar, weil um ihrer selbst Willen die moralische Berücksichtigung stattfinden muss.

Erstmalig wird an einer Universität eine Belastungsobergrenze gefordert. Grundsätzlich ist ethisch nicht vertretbar, wenn vorauszusehen ist, dass starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste länger anhalten werden. Hierbei muss auf ein Recht und die Würde des Tieres Rücksicht genommen werden. Das geht weit über die Forderungen des Tierschutzgesetzes hinaus.
Dr. Ach tritt dafür ein, dass der Schmerz nicht so stark sein darf, dass die Lebensqualität auf einen Wert herabfällt, dass es besser ist, das Tier zu töten.

Tierversuche können nur abgeschafft werden, wenn ein Paradigmenwechsel auf verschiedenen Ebenen vorgenommen wird. Dr. Ach formulierte das Ziel der Niederländer, bis 2025 aus den gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuchen – 26% aller Tierversuche – auszusteigen. Ob hier die Niederlande ohne die EU einen Alleingang schaffen, scheint schwierig. Ein Ausstieg aus der Grundlagenforschung und in der Ausbildung und Lehre gestaltet sich noch viel komplizierter und erfahrungsgemäß wird dazu noch sehr viel Zeit vergehen. Positiv zu sehen ist, dass hier wenigstens ein Anfang zum Ausstieg aus Tierversuchen formuliert wurde. Das fehlt in Deutschland vollkommen.

Zum Interview wurde Prof. Dr. med. Horst Spielmann (FU Berlin Institut Pharmazie) auf das Podium gebeten. Thema: Wie ist die Forschung im außereuropäischen Ausland im Verhältnis zur EU zu bewerten? Prof. Spielmann verwies auf die USA und berichtete, dass dort bereits 2007 von der Amerikanischen Akademie, der Industrie und der FDA (Food and Drug Administration) eine Forschung des 21. Jahrhunderts mit menschlichen Zellen angegangen wurde – eine Züchtung menschlicher Zellen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. Der Weg der Zukunft ist der Multi-Organ-Chip, in dem menschliche Miniorgane eine Testung von Medikamenten und Chemikalien möglich machen. Prof. Spielmann beklagte, dass die Firma TissUse, die den Organ-Chip zusammen mit der TU in Berlin hergestellt hatte, hier nur mit 2 bis 3 Millionen Euro gefördert wurde und die USA bereits ihre Forschung mit 72 Millionen Dollar finanzierten. Obwohl der Organ-Chip der Firma TissUse z.Z. nur mit zwei oder vier Organen arbeiten kann, wird er bereits von verschiedenen Pharmafirmen benutzt.

Viele Zuschauer beteiligten sich an der Diskussion – die Zeit verging wie immer viel zu schnell. Ich denke wir alle gingen nach Hause, Neues gelernt, wieder ein stückweit Zuversicht gewonnen zu haben und in der Hoffnung, dass unsere Politiker einiges hiervon umsetzen werden.

Und schon jetzt vormerken: Unsere nächste Veranstaltung findet wieder am Internationalen Tag des Versuchstieres am 24.04.2019 in der Urania statt.

Brigitte Jenner

 

Hier der Link zum Film der Veranstaltung: https://youtu.be/nci1y4L5Voc

Urania 2017: Zukunft ohne Tierversuche – wird Berlin Forschungshauptstadt der Ersatzmethoden?

Auf dem Podium:

Präsentation: Erforschung von Hautkrankheiten ohne Tierversuche
Prof. Dr. Sarah Hedtrich, Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität Berlin
Die Juniorprofessorin rekonstruiert gesunde und kranke menschliche Haut und untersucht mittels
dreidimensionaler Hautmodelle pathophysiologische Mechanismen entzündlicher
Hauterkrankungen, z.B. Neurodermitis.

Präsentation: Gedruckte Gewebe als Ersatz für Tierversuche
Dr. Lutz Kloke, Cellbricks GmbH – Cellbricks entwickelt eine Bioprinter-Plattform zum 3D-Drucken
von humanen Geweben und Mini-Organen. Die Technologie adressiert den Bedarf nach
Organmodellen als Ersatz für Tierversuche, in der Regenerativen Medizin und der
Wirkstoffentwicklung. Hiermit können bereits erste funktionale Organmodelle erzeugt werden.

Prof. Dr. med. Horst Spielmann, Freie Universität Berlin, Institut für Pharmazie, Pharmakologie und Toxikologie

Aus der Politik die tierschutzpolitischen Sprecher:  Dr. Michael Efler (Die Linke), Dr. Stefan Taschner (Bündnis90/Die Grünen)

Moderation: André Tonn, Wirtschaftsjournalist vom rbb-Inforadio

Hier der Link zum Film der Veranstaltung: https://www.youtube.com/watch?v=AJUo52fUQlk

Urania 24. April 2016: Forschung ja - Tierversuche nein! Verliert Deutschland den Anschluss?

Zum fünften Mal waren wir anlässlich des „Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche“  in der Urania, um der breiten Öffentlichkeit die Gesetzeslage, die ethischen Aspekte und auch Wege aufzuzeigen, wie Tierversuche ersetzt werden können. Mit rund 200 Teilnehmern war der Saal wieder sehr gut besetzt. Das zeigt uns, dass großes öffentliches Interesse an der Abschaffung von Tierversuchen besteht.

Die Sprecherin des Bündnisses Brigitte Jenner eröffnet die Veranstaltung und bedankte sich bei den Podiumsgästen. Sie haben zum Teil lange Anfahrzeiten (aus Ludwigshafen und Konstanz)  in Kauf genommen, um hier die Ergebnisse und Hintergründe ihrer Forschungen vorstellen wollen.

Dr. Landsiedel ist Leiter der Gruppe Toxikologische Kurzzeit-Prüfungen bei der BASF SE in Ludwigshafen; diese führt pro Jahr mehr als 500 toxikologische Studien durch und forscht an der Entwicklung neuer Alternativmethoden.  Dafür  erhielt  er  2013  den  Tierschutz-Forschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Dr. Landsiedel ist Vertreter der chemischen Industrie (Cefic) bei ECVAM, dem europäischen Zentrum zur Validierung von Alternativmethoden und auch stellvertretender Vorsitzender der ZEBET Kommission beim Bundesinstitut für Risikobewertung.

Die Firma BASF gehört zu den Firmen, die weltweit führend in der Entwicklung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen ist. Dr. Landsiedel stellte die Erfolge seiner Forschung vor und betonte, dass leider, trotz guter Vergleichsergebnisse zu Humandaten oder sogar besserer Aussagen eine Anwendung dieser Methoden nicht immer gewährleistet ist. In diesem Zusammenhang erwähnte er die Prüfung der Hautsensibilisierung (Allergie) an Meerschweinchen oder Maus, für die es alternative Zellkulturmethoden gibt, mit denen zwar bereits international gearbeitet wird, die aber noch nicht vollständig von der OECD Weltwirtschaftsorganisation) anerkannt worden ist.

Prof. Dr. Roland Lauster ist der Leiter des Fachgebiets Medizinische Biotechnologie der Technischen Universität Berlin, welches sich 2003 gegründet hatte. Zudem ist er Vorsitzender im Prüfungsausschuss Biotechnologie. Aus seiner Arbeitsgruppe hat sich die Firma TissUse unter der Leitung von Dr. Uwe Marx (2014 unser Podiumsgast in der Urania) gegründet.

Prof. Lauster arbeitet mit menschlichen Zellen aus „Krankenhaus-Abfällen“  von Operationen. Er erklärte das System des Human on a Chip. Verschiedene Organoide werden jeweils in ein Zellkulturgefäß gefüllt und durch einen Kreislauf miteinander verbunden – ähnlich wie der Blutkreislauf des Menschen. Die Bewegung entsteht durch Membranen, die durch Druckluft gesteuert werden. Zurzeit ist es möglich, vier Organe im Chip miteinander zu verbinden.

Langfristig werden mit diesem Chip alle menschlichen Daten zur Aufnahme und Verteilung von Substanzen im Körper, ihrem biochemischen Um-  und Abbau, ihrer Ausscheidung und mögliche schädliche Auswirkungen erfasst. Somit dient er u.a. der Voraussage von Medikamenten auf Wirksamkeit und Verträglichkeit und der Testung anderer Stoffe auf Schädigung im menschlichen Körper. Diese Tests sind z.Z. noch an Tieren vorgeschrieben – festgelegt in den Arzneimittelprüfrichtlinien und durch das Chemikaliengesetz.

Dr. rer. nat. Mardas Daneshian ist akademischer Angestellter an der Universität Konstanz, Fachbereich Biologie, Koordinator und Geschaftsleiter des „Center für Alternatives to Animal Testing-Europe“ Berater des EU Parlaments im Rahmen des STOA-Programms für „Life Sciencs and Human Well-Being“.

Dr. Daneshian zeigte in seiner Präsentation, wie unterschiedlich die Förderungen von Ersatzmethoden zu Tierversuchen weltweit sind – und es wurde deutlich, dass Deutschland mit 6.45 Millionen im Jahr 2015 gegenüber anderen Ländern wesentlich schlechter dasteht. Im Vergleich gibt England 11 Mill  und Brasilien 14.8 Mill  für die Erforschung von Alternativen aus –  das ist um ein Vielfaches mehr gemessen an  dem Bruttoinlandsprodukt dieser Länder.

2015 hat Deutschland Tierversuche mit 1.920 Milliarden gefördert – das ist  zu 6.5 Millionen für Alternativen eine gewaltige Schieflage.

Förderungen weiterer Länder und Firmen:

Die USA gibt allein für den Human on a Chip 130 Millionen und für Toxcard 174 Millionen US Dollar aus – wobei zum Vergleich Deutschland Alternativen von 1980 – 2014 mit nur insgesamt 160 Millionen EURO gefördert hatte.

Dr. Daneshian hält die Forschung an Alternativen für sehr wichtig, um neue wissenschaftliche Wege zu gehen, die dem Land Ansehen bescheren und auch durch Patentanmeldungen und Lizenzen wirtschaftlich sehr stärken würde. Er rät die Alternativen mit zwei bis dreistelligen Millionen EUR0 zu fördern. Seiner Meinung nach ist diese Innovation  ein neues Feld, was Geld ins Land bringt.

Alle drei Vorträge fanden großen Beifall. Als Kenner der Alternativ-Forschung beteiligte sich Prof. Spielmann rege an der Diskussion und das Wort erhob auch Frau Claudia Hämmerling, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin. Sie setzt sich schon seit langer Zeit für eine verstärkte Förderung der Alternativen ein.

Die Zeit verging so schnell, das leider nicht alle Fragen beantwortet werden konnten.

Wegen des großen Interesses werden wir im nächsten Jahr im April wieder in der Urania zum Thema „Forschung ja – Tierversuche nein“ mit anderen interessanten Podiumsgästen neue Wege aufzeigen, wie Tierversuche abgeschafft werden können.

Brigitte Jenner

Fotos: Bundesverband Tierschutz/Lotz

Urania 24. April 2015: Forschung ohne Tierversuche - ein ethisches Gebot!

Zum vierten Mal in Folge fand am 24. April – dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche – in der Urania Berlin unsere Veranstaltung über Ersatzmethoden zu Tierversuchen statt.

Schon vor der Veranstaltung waren die Infostände des Tierschutzvereins für Berlin und des Bundesverbandes Tierschutz stark besucht.

Wieder war der Saal mit gezählten 200 Teilnehmern voll besetzt. Ein Zeichen, wie groß das Interesse der Öffentlichkeit ist, Einblicke und Ausblicke in eine Forschung ohne Tierversuche zu erhalten. Deshalb verkündete die Sprecherin des Bündnisses Brigitte Jenner schon in ihrer Begrüßung, dass das Bündnis hier in der Urania zum „Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche“ 2016 erneut eine Veranstaltung zum Thema „Forschung ja – Tierversuche nein“ durchführen wird.

Brigitte Jenner sprach dem Landestier-schutzbeauftragten Prof. Spielmann, der im Bündnis mitarbeitet, ihren Dank für die guten Empfehlungen der Podiumsteilnehmer aus. Sie bedankte sich bei den Podiumsteilnehmern für die schnelle Zusage, ihre wissenschaftlichen Arbeiten hier vorzustellen und dazu Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

 

Unsere diesjährigen Podiumsgäste waren:

Dr. Ralf Herwig – Systembiologe vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Dr. Herwig hat Mathematik und Physik an der FU und TU Berlin studiert und im Bereich der Bioinformatik an der FU promoviert. Er leitet seit 2001 die Arbeitsgruppe Bioinformatik am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin Dahlem. Seine Arbeitsgruppe beschäftigt sich unter anderem damit, wie biologische Prozesse im Computer nachgebaut und simuliert werden können. Seit 2005 arbeitet er im Rahmen von EU Projekten an der Entwicklung von Alternativmethoden zum Tierversuch im Bereich der Chemikaliensicherheit sowie der Medikamentenent-wicklung. Hierfür wurde ihm 2012 der 31. Tierschutzforschungspreis der Bundesregierung verliehen.

Dr. Herwig führte auf dem Podium seine Methode vor, wie in menschlichen Stammzellen krebserzeugende Substanzen erkannt werden können. Durch sein Modell können zwei Jahre laufende Belastungstests an lebenden Ratten und Mäusen ersetzt werden. Und, diese Methode erspart nicht nur Tierversuche – sondern zudem sagt sie die Wirkung der untersuchten Substanzen wesentlich besser vorher.

 Prof. Dr. Gerhard Paul Püschel vom Institut Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam

Prof. Püschel hat in Kiel Medizin und in Bloomington Indiana USA Biochemie studiert. Als Postdoc ist er nach Göttingen zu Prof. Jungermann gegangen und hat dort mit dem Schwerpunkt „Modulation des Leberstoffwechsels durch Entzündungsmediatoren“ im Fach Biochemie habilitiert. Seit 1999 hat er den Lehrstuhl „Biochemie der Ernährung“ an der Universität Potsdam inne. .

Prof. Püschel berichtete, dass das Botulinumtoxin–Projekt ein Nebenprodukt ist, das aus einem Seitenast des Insulinresistenzprojektes entstanden ist. Seine Gruppe wollte Nervenzelllinien entwickeln, mit denen man auf einfache Weise die Funktion der Nervenzellen messen kann. Das Projekt ist nie weiterverfolgt worden, aber die Idee mit den Zelllinien ist die Basis zum Botulinumtoxin–Projekt gewesen. Seine Forschung ist demnach ein reines Zufallsprodukt.

Botulinumtoxin – uns besser bekannt als Botox – ist ein starkes Nervengift. Es kann als Medikament eingesetzt werden. Doch die größte Anwendung befindet sich im kosmetischen Bereich. Hier wird es gespritzt, um Hautfältchen durch gezielte Lähmung zu unterdrücken. Getestet wird weltweit an ca. 500 000 Mäusen, von denen die Hälfte einen die einen qualvollen Erstickungstot erleiden.

Die auf Zellen basierende Methode von Prof. Püschel kann zur Messung der Aktivität von Botulinumtoxin eingesetzt werden und den Tierversuch weitgehend ersetzen.

 Prof. Dr. Christian Pestalozza Rechtswissenschaftler der Freien Universität Berlin – FB Rechtswissenschaften der Freien Universität Berlin

Prof. Pestalozza studierte an der Freien Universität Berlin, an der Ludwig Maximilians-Universität München und in Cumberland Lodge. 1961 und 1968 legte er seine juristischen Staatsexamen ab.1980 übernahm er einen Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht an der Freien Universität Berlin und führte das Institut für Staatslehre, Staats- und Verwaltungsrecht. Seit 2003 ist er Mitglied der Ethikkommission der Ärztekammer Berlin und seit 2005 Mitglied der Ethikkommission des Landes Berlin.

Prof. Pestalozza berichtete über Versuche am Tier, die im Widerstreit von Wissenschaft, geltendem Recht und Ethik stehen.

Er teilte die ethische Beurteilung in drei Kategorien ein:

Eigennützige Versuche am Tier

Hier sollte die Ethik nichts einzuwenden haben, wenn sie alternativlos sind, weil es andere, ebenso wirksame Methoden nicht gibt und sie das Tier nicht unzumutbar belasten. Sie kommen dem Tier selbst zugute.

Gruppennützige Versuche

Sind aus der Sicht des Versuchstiers uneigennützig und haben somit ethisch einen schwereren Stand. Aber die Ethik wird wohl nicht umhinkönnen, jedenfalls die Versuche, die der Erhaltung der Art dienen, in Grenzen die die Belastung des Versuchstiers betreffen, hinzunehmen. 

Fremdnützige Versuche

Allein menschennützige Versuche am Tier durchzuführen, finden bei Prof. Pestalozza keine ethische Rechtfertigung

Ausführliche Begründungen finden Sie im Vortrag von Prof. Pestalozza, den er am 4. Juli 2014 anlässlich der offiziellen Eröffnung der Berlin-Brandenburgischen Forschungsplattform BB3R mit integriertem Graduiertenkolleg an der Freien Universität gehalten hat.

Die Moderation leitete der Wirtschaftsjournalist vom rbb Info-Radio – Herr Andre Tonn

Eine gute Diskussion folgte den Beiträgen der Podiumsteilnehmer. Ein wesentlicher Punkt kristallisierte sich heraus: es müssen mehr Forschungsgelder bewilligt werden, um die Entwicklung von Ersatzmethoden voranzutreiben.

Immer wieder stellen wir fest: zwei Stunden verfliegen im Nu.

Vielen Dank den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr Interesse

Brigitte Jenner – Sprecherin des Bündnisses

Fotos: König TVB

Urania 2014: Forschung der Zukunft - immer näher am Menschen!

Dies war die 3. Veranstaltung in Folge zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche in der Urania.

Themen:

  1.  Die Zeit ist reif für eine Forschung ohne Tierversuche!
  2.  Aus- und Einblicke in eine Forschung ohne Tierversuche!
  3.  Forschung der Zukunft – immer näher am Menschen!

Kurz vor der Veranstaltung gab die Sprecherin des Bündnisses, Brigitte Jenner, dem Deutschlandsender ein Interview zu tierversuchsfreien Forschungsmethoden.

Erstes Kennenlernen der Vertreter des Bündnisses mit den Podiumsteilnehmern in der Cafeteria der Urania. Die Chemie stimmte und es wurde einer interessanten Veranstaltung entgegengesehen.

Großes  Interesse an der Arbeit des Bündnisses begann schon vor der Veranstaltung  im Foyer an den Infoständen.

Nach der Einführung und Vorstellung der Podiumsgäste durch die Sprecherin des Bündnisses,  übernahm Dr. Ingolf Ebel, Fachbereichsleiter für Philosophie, Biologie und Neurowissenschaften der Urania die Moderation. Er sprang kurzfristig für die erkrankte Moderatorin Ines Krüger ein.

Frau Prof. Dr. Monika Schäfer-Korting

Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie mit Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie im Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin

Seit dem 3. Juni 2010 bekleidet sie das Amt der Ersten Vizepräsidentin der FU Berlin.

Ihr Spezialgebiet ist: in vitro Pharmakologie und Toxikologie, d.h. Verträglichkeitsprüfung und Wirksamkeitsprüfung von Arzneimittel an biotechnologisch hergestellten menschlichen Hautmodellen.

Frau Prof. Schäfer-Korting ist Mitbegründerin des Graduiertenkolleg:

BB3R (Berlin Brandenburg School of the 3Rs). Eine Zusammenarbeit der FU Berlin und der Uni Potsdam. Als erstes Projekt zur Förderung des wissenschaftlichen Schutzes von Versuchstieren an Universitäten wurde es durch den BMBF und den Senat gefördert.

Beginn: April 2014. Im Graduiertenkolleg werden die Bereiche „Recht – Ethik – Forschung“ behandelt. Studenten und Doktoranten werden in Hinsicht auf die 3Rs (refine, reduce, replace) ausgebildet. Professuren werden für alle drei Bereiche der 3Rs bereitgestellt. Hier findet in Deutschland die erste universitäre Ausbildung in Alternativen zu Tierversuchen statt.

Dr. Andreas Hocke

Leiter der Arbeitsgruppe:  Infektiologie und Pneumologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er arbeitet an einem humanen Lungeninfektionsmodell.

Lungenentzündung (Pneumonie) ist weltweit die dritthäufigste Todesursache und führt jedes Jahr zum Tod von Millionen von Kleinkindern.

Die Gruppe erforscht Mechanismen der Pathogen-Wirts-Interaktion in humanen pulmonalen Zielzellen, insbesondere in humanem Lungengewebe.

Entwicklung alternativer Lungeninfektionsmodelle zu Tierversuchen

Ein besonderes Anliegen der Arbeitsgruppe liegt auf Seiten des Tierschutzes in der Infektionsforschung. Bislang spielen insbesondere Maus-Pneumonie-Modelle eine wichtige Rolle für die Erforschung zellulärer und molekularer Mechanismen in der Pathogen-Wirts-Interaktion. Dieses Vorgehen schien bisher alternativlos. Aus diesem Grund hat die Gruppe ein Infektionsmodell an humanem Lungengewebe etabliert, welches frische Patientenproben aus OP-Resektaten verwendet. An diesem Gewebe werden Infektionen mit Influenza Viren, Pneumokokken und Legionellen durchgeführt und analysiert.
Das Modell wurde im Jahr 2011 mit dem ersten Tierschutzforschungspreis des Landes Berlin ausgezeichnet.

Dr. Uwe Marx

In Humanbiologie und Medizin ausgebildet hat er sich im Laufe seiner Karriere auf die Biotechnologie konzentriert.

Projektleiter:
Im Rahmen des BMBF GO-BIO Förderschwerpunkt für Biotechnologie.
Er ist Leiter des „Multi-Organ-Chip“-Programmes am Institut für Medizinische Biotechnologie der TU Berlin in Zusammenarbeit mit seiner Firma TissUse.

Dr. Marx ist ein versierter Unternehmer und der Gründer der BIO-Tech Firma TissUse GmbH (Firma in Spreenhagen bei Berlin).

TissUse ist ein lebendiges Wachstumsunternehmen, das hochwertige Dienstleistungen zum Nachweis von Wirkungen und Nebenwirkungen neuer Inhaltsstoffe von Arzneimitteln, Kosmetik, Chemie und Konsumgütern anbietet. Immer mehr lebensechte Strukturen – menschliche Organe in vitro – können nachgeahmt und für die Entwicklung neuer Arzneimittel genutzt werden.

Dr. Marx stellte seinen Organ-Chip nicht nur auf der Bühne vor, sondern jeder konnte ihn nach der Veranstaltung „anfassen“. Unfassbar, wie ein so kleiner Chip, wenn er fertig entwickelt ist, den ganzen menschlichen Körper mit seinen Organen funktionstüchtig darstellen kann. Locker erzählte Dr. Marx, wie es funktioniert. „Zum Trinken kommt hier etwas Flüssigkeit hinein – und unten, wenn sie Niere und Leber durchflossen hat – wieder als Urin heraus. Der Chip trinkt und puscht (das klang so ulkig, dass im Publikum gelacht wurde).

Nach den Präsentationen ging die Publikumsdiskussion los. Es wurde viel gefragt, bis die Zeit wieder viel zu schnell zu Ende war.

Am Ausgang des Saales kamen viele Teilnehmer zu mir: die Stimmung war nur positiv, sehr interessant, brillant, die beste der drei Veranstaltungen – und vor allen Dingen auch verständlich von den Podiumsteilnehmern rübergebracht.

Schon zum Vormerken!

Am 24. April 2015 – dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche – sind wir wieder hier in der Urania, im selben Saal, zur selben Uhrzeit mit neuen spannenden Beispielen für eine  Forschung ohne Tierversuche!

Brigitte Jenner

Fotos: TVB

Urania 2013: Einblicke und Ausblicke in eine Forschung ohne Tierversuche!

Wegen des großen Erfolges unserer Veranstaltung im vorigen Jahr mit dem Titel  „Die Zeit ist reif für eine Forschung ohne Tierversuche“ wurde diese Reihe fortgesetzt. Wieder war der Saal mit ca. 235 Teilnehmern sehr gut gesetzt.

In seiner Einführungsrede kündigte Dr. Ebel –  Projektmanager der Urania  – an, diese Veranstaltungsreihe wird auch im kommenden Jahr fortgesetzt.

Als Diskussionspartner auf der Bühne waren:

Dr. Manfred Liebsch – seit 1990 Fachgebietsleiter „Bewertung und Validerung“ bei der ZEBET. Von 2004 bis 2012 Leiter der Fachgruppe Alternativmethoden zum Tierversuch Nun im Ruhestand – aber weiterhin sehr aktiv, um Alternativen zu lehren und zu verbreiten.

Kristina Wagner – Fachreferentin für Alternativen zum Tierversuch bei der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes.

Rechtsanwalt Rolf Kemper – spezialisiert auf Verwaltungsrecht. Er
beschäftigt sich seit langem mit Tierschutzrecht und der Tierschutzgesetzgebung.

Ines Krüger – Moderation

Es wurde über den Einsatz und die Möglichkeiten von Ersatzmethoden zum Tierversuch diskutiert und die gesetzlichen Hürden, die so und so ausgelegt werden können.

Live auf der Bühne

Manfred Liebsch demonstrierte , wie mit zwei behördlich anerkannten Alternativmethoden die Giftigkeit eines Stoffes vorausgesagt werden kann. Dabei scheiden die meisten Alternativmethoden für eine Demonstration auf der Bühne aus, weil man mit Zellen nur bei 37 °C arbeiten kann und sie nur kurzfristig der Raumtemperatur – wie hier auf der Bühne – aussetzen darf. Darüber hinaus muss steril gearbeitet werden, die Zelltests liefern das Ergebnis nicht innerhalb weniger Minuten und es bedarf spezieller Geräte, um deren Ergebnisse darzustellen. Eine Ausnahme bildet die Erfassung schnell eintretender, starker Schäden an organotypischen Modellen. Hierzu sind der HAT-CAM-Test und die menschliche Haut geeignet.

HAT-CAM Test ist eine Alternativmethode am bebrüteten Hühnerei, der an der Chorion Allantois Membran zur Vorhersage starker Augenschäden durchgeführt wird. Dabei macht man sich die Ähnlichkeit der gut durchbluteten Membran (CAM) mit der Schleimhaut am Auge („Bindehaut“) zu Nutze und weiterhin, dass durch die Entwicklung des Nervensystems des Hühnerembryos in diesem frühen Stadium noch keine Schmerzempfindung möglich ist. Dieser Test wurde 1985 von Prof. Lüpke entwickelt – er bekam den Tierschutzforschungspreis der Bundesregierung dafür – und dann bis Mitte der 90’er Jahre in Deutschland in einer großen Validierungsstudie mit 14 Laboren und 200 Test-Chemikalien und später in mehreren EU Projekten validiert. Er ist seit 2002 in Europa für die Vorhersage starker Augenreizung und starker Augenschäden anerkannt.

Test auf ätzende Wirkung mit menschlichem Hautmodell:
Der zweite Test in der Demonstration ist in vieler Hinsicht sehr viel moderner und entspricht mehr dem Ziel, das wir mit Alternativmethoden erreichen wollen, denn er verwendet ein 3D Modell menschlicher Haut. Menschliche Haut ist das erste Organ, das die Forscher  bereits seit mehr als 20 Jahren aus Zellen der menschlichen Haut rekonstruieren können, und zwar nach einer Methode, die am MIT in Boston in den USA entwickelt wurde. Diese Hautzellen fallen entweder bei Operationen der ästhetischen Medizin oder zum Beispiel bei den in vielen Bereichen der Welt üblichen Vorhaut-Beschneidungen quasi als „Abfall“ an. Sie werden nach mehreren Vermehrungsschritten in Zellkulturmedium dreidimensional zu menschlichen Hautmodellen rekonstruiert. Diese rekonstruierten Modelle haben dann die 50 – 100.000 fache Fläche der Hautprobe des Spenders. Sie lassen sich damit perfekt standardisieren und liefern über Monate, Jahre und mittlerweile schon über zwei Jahrzehnte sehr stabile und weltweit vergleichbare Testergebnisse. Der Test ist seit 2004 weltweit als OECD Methode anerkannten, um auf ätzende Wirkung von Stoffen auf der Haut demonstrieren.

Zwei sehr interessante Demonstrationen, die eine Entwicklung auch innerhalb dieser Testmethoden aufzeigen.

Wir danken dem BfR – Bundesinstiutut für Risikobewertung – für die Bereitstellung der bebrüteten Eier

und

Dr. Helena Kandarova, Executive Director der Firma MatTek –  In Vitro Life Science Laboratories – in Bratislava für die kostenlose Bereitstellung der Hautmodelle.

und den Podiumsteilnehmern, die durch ihre Beiträge eine so gelungene und äußerst interessante Veranstaltung geboten haben.

Ein ganz besonderer Gast konnte von Brigitte Jenner – Sprecherin des Bündnis Tierschutzpolitik – begrüßt und beglückwünscht werden – der diesjährige Träger des Tierschutzforschungspreises Prof. Dr. Günther Weindl vom Institut für Pharmazie, Pharmakologie und Toxikologie der FU Berlin. Im Namen des Bündnisses verkündete sie, dass er auch unseren Zusatzpreis in Höhe von 5.000 EURO zu dem mit 15.000 EURO dotierten Preis des Landes Berlin erhält. Durch seine  Arbeit – Entwicklung immunkompetenter Hautmodelle –  trägt er zum Ersatz von Tierversuche bei, die Voraussetzung des Zusatzpreises.

Wie auch im vorigen Jahr waren die Infostände im Foyer der Tierversuchsgegner, des Tierschutzvereins  für Berlin und des Deutschen Tierschutzbundes sehr gut besucht.

Den 24.04.2014 Urania-Veranstaltung können Sie sich schon jetzt in Ihren Terminkalender eintragen!

Fotos: tvg-berlin, Tierschutzverein für Berlin