Der Landestierschutzverband Brandenburg und der Tierschutzverein für Berlin (TVB) erheben schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Tierheims Wesendahl und den angeschlossenen Verein „Tieren ihr Leben e.V.“ im Landkreis Märkisch-Oderland. Die Tierschützer fordern eine schnellstmögliche Schließung des Betriebs und ein lebenslanges Tierhaltungsverbot für die Betreiberfamilie.

Grund für diese drastische Forderung sind teils extrem tierschutzwidrige Haltungsbedingungen in der Einrichtung, die ca. 450 Tiere verschiedenster Arten beherbergt, darunter allein mindestens 30 Hunde und 70 Katzen und sogar Wildtiere wie Affen, Stachelschweine, Marder und Waschbären. Zur Versorgung und Pflege dieser vielen Tiere stehen jedoch nur wenige Mitarbeiter*innen zur Verfügung – zu wenig, um auch nur annähernd die Grundbedürfnisse der Tiere zu decken.

„Die Tiere müssen umgehend aus den unhaltbaren und z.T. schrecklichen Zuständen im Tierheim Wesendahl gerettet werden. Nach einer echten Prüfung durch die zuständige Behörde kann hier nur ein lebenslanges Tierhalteverbot für die Betreiber folgen. Es entsteht der Eindruck, dass die zuständige Behörde bewusst über Jahre weggeschaut hat, weil sie sonst nicht wüssten, wohin mit allen Fundtieren“, kritisiert Eva Rönspieß, Vorstandsvorsitzende des TVB. „Die mangelnde Organisation und Hilfestellung des Landkreises ist jedoch keine Rechtfertigung für Tierleid. Wir fordern die zuständigen Behörden – und damit meinen wir auch die Fachaufsicht auf Landesebene – auf, unverzüglich tätig zu werden!“

Zeugen schildern die schlimmsten Missstände:

  • Es gibt keine Quarantäne für Neuankömmlinge, keine generelle Gesundheitsvorsorge und bei Krankheiten oder Verletzungen keine angemessene Behandlung; schwer kranke Tiere bleiben unbehandelt bis zur dann notwendig werdenden Euthanasie – oder man lässt sie von selbst sterben
  • Tiere werden nicht artgerecht gehalten und sind häufig vernachlässigt -> keine Körper-, Zahn- u. Krallen- bzw. Hufpflege, was in vielen Fällen zu extrem langen, verwachsenen Krallen und Hufen führt; häufig zu kleine / zu enge, zu dunkle, stark durch Exkremente verschmutzte Unterkünfte, nicht genug Licht, Luft, Auslauf, falsches Futter etc.
  • auf dem Gelände des Tierheims werden mindestens 30 Freigänger-Katzen gehalten; durch mangelhaftes Bestandsmanagement und zu späte Kastrationen kommt es regelmäßig zu Nachwuchs
  • mehrfach sind einzelne neugeborene Kitten zusammen mit von der Geburt blutigen Handtüchern in die Waschmaschine gesteckt und mitgewaschen worden, die toten Tiere wurden später in der Maschine entdeckt
  • vor allem der Katzen- und Vogelbestand ist schwer mit Parasiten durchseucht – Flöhe bei den Katzen, Milben bei den Vögeln; beide Parasiten gehen notgedrungen auf die Mitarbeiter*innen über, wenn sie versuchen, die Tiere zu versorgen
  • starker Rattenbefall der gesamten Anlage, vor allem in den Vogelbereichen

Wiederholte Meldungen sowohl verschiedener Besucher*innen als auch ehemaliger Helfer*innen des Tierheims Wesendahl beim zuständigen Veterinäramt Kreis Märkisch-Oderland und eine Anzeige wegen Tierquälerei bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder im Januar 2020 haben bisher zu keinerlei Konsequenzen geführt.